Gemeinsam mit unserer Stadt Freital in das Festjahr 2018 !

Geschichte Freital

Aus der Geschichte der Stadtregion

Freital soll die Stadt heißen, über deren Bildung in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wieder und diesmal erfolgreich verhandelt wurde. Der Döhlener Gemeinderat Hermann Henker brachte diesen Namen ein und setzte sich damit gegen zahlreiche andere Vorschläge durch.

Am 1. Oktober 1921 war es dann soweit, dass Vertreter der drei Industriedörfer des Plauenschen Grundes, nämlich Deuben (mit Niederhäslich und Schweinsdorf), Döhlen und Potschappel – Beschlüssen aus dem Februar 1920 folgend – den Zusammenschluss zur Stadt Freital im Döhlener Rathaus vollzogen.

Heute sind es 25 ehemals selbstständige Ortschaften und einige Siedlungen, aus denen die Stadt zusammenwächst. 1999 wurde Pesterwitz als bislang letzte eingemeindet.

Das Stadtgebiet, das reichlich 40 Quadratkilometer umfasst, ist uralte Siedlungsregion. Bereits steinzeitliche Funde lassen darauf schließen.

Das Gebiet der „Heidenschanze“ bei Dresden-Coschütz, etwa einen Kilometer nördlich der Freitaler Stadtgrenze liegend, ist von etwa 1400 bis 500 v. Chr. ununterbrochen besiedelt gewesen. Ein Weg unterhalb des Bergsporns kreuzte zwischen Coschützer Grund und Döhlener Becken die Weißeritz. Slawische Sorben, die um 600 n. Chr. das Elbtal zu besiedeln begannen, haben die Heidenschanze erneut besetzt. Sorbische Orts- und Flussnamen belegen, dass das Gebiet unserer Stadt weitgehend von dieser aus dem Osten eingewanderten Bevölkerung erschlossen wurde: Deuben, Döhlen, Pesterwitz, Potschappel, Weißig, Wurgwitz und Zauckerode bzw. Weißeritz und Wiederitz. Auf etwa einhundert kann man die Anzahl der um 1100 im Stadtgebiet ansässigen Sorben schätzen. Bald begann durch schriftliche Quellen belegte Geschichte.

In Löbtau (seit 1903 Dresden-Löbtau) „im Gau Nisani im Burgward Bvistrizi“ schenkte König Heinrich IV. (1056-1106) der 968 gegründeten Bischofskirche zu Meißen und ihrem Domkapitel zwei Königshufen mit allem Zubehör. Die Urkunde wurde am 28. Oktober 1068 ausgestellt und lässt auf einen „Weißeritz-Burgward“ als militärisch-politische Verwaltungseinheit mit Sitz auf der Heidenschanze schließen. Das ist eine dritte Nutzung des Plateaus hoch über der Weißeritz gewesen. Wann die Heidenschanze aufgelassen wurde, ist leider unbekannt, vermutlich vor 1200.

Zuwanderer aus Flandern, (Nieder-)Sachsen, Franken und auch Bayern legten seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf gerodetem Boden deutsche Dörfer an und gaben ihnen Namen wie Birkigt, Coßmannsdorf, Eckersdorf, Hainsberg, Hermsdorf, Naundorf, Schweinsdorf und Somsdorf. Gelegentlich folgten sorbische Bewohner ihrem Vorbild und gestalteten ihre Wohnplätze und Flurformen entsprechend um. Etwa 700 Personen wird die Bevölkerung um 1300 innerhalb des heutigen Stadtgebietes betragen haben. Der hochmittelalterliche Landesausbau brachte eine Veränderung der Herrschaftsstruktur mit sich. Da fast alles Land besetzt war, kam es zu Streitigkeiten zwischen größeren Feudalherren, die ihre Landesherrschaft auszuweiten suchten.

Burggraf von Dohna errichtete wohl auf dem heute sogenannten Burgwartsberg „ein Kastell, Thorun genannt“ und beeinträchtigte dadurch die seit 1068 ausgeweitete bischöfliche Landesherrschaft. Der Markgraf von Meißen musste den Streit beenden und stellte darüber am 31. März 1206 eine Urkunde in Dresden aus, womit erstmalig der Name der Landeshauptstadt auftaucht. Bedeutender ist jedoch die enthaltene älteste lokalgeschichtliche Überlieferung für die Freitaler Region. Denn feudale Grundherren, darunter Berthold und Dietrich von Potschappel, Arnold von Döhlen und Hermann von Wurgwitz, wurden nach den ursprünglichen Verhältnissen befragt, so dass Thorun abgebrochen und der Winkel zwischen Wiederitz-Quelle und Weißeritz (flumen Bistrice) bis zu deren Mündung in die Elbe als bischöfliches Gebiet anerkannt werden musste. Das hatte Auswirkungen auf die Parochial- und Schulbezirksgrenzen bis ins 20. Jahrhundert!

Der heutige Freitaler Raum gehörte von 1485 an zum albertinischen Sachsen. Infolgedessen wurde die Reformation hier erst 1539/40 eingeführt. Die im 12./13. Jahrhundert gestaltete Kirchenorganisation blieb erhalten. Der Döhlener Pfarrsprengel umfasste Birkigt, Burgk, Deuben mit eigener Kapelle, Gittersee, Großopitz, Niederhäslich, den östlichen Teil von Potschappel mit Leisnitz, dazu Schweinsdorf, Weißig und die Wüstung Weitzsch in der Weißeritzniederung. Zur Pesterwitzer Kirche gehörten der westliche Teil von Potschappel, Saalhausen und Zauckerode, während Kohlsdorf, Niederhermsdorf und Wurgwitz nach Kesselsdorf gepfarrt waren. Die im 13. Jahrhundert errichtete Somsdorfer Kirche scheint ursprünglich Döhlener Filial gewesen zu sein, bei der im Zusammenhang mit einer Ortserweiterung ein Pfarrlehn entstand. Zum Pfarrsprengel gehörten Coßmannsdorf, Eckersdorf und Hainsberg. Kirchschulen entstanden im 16. Jahrhundert, z. B. in Döhlen, wo der aus Rabenau stammende Urban Große von 1566 an wirkte.

Der aufkommende Steinkohlenbergbau und die frühindustrielle Alaunherstellung führten um 1550 zur Entstehung der Ortsteile Zschiedge (Siedehaus) und zum Anwachsen der Bevölkerung auf etwa 1 500 Personen.

Die Döhlener Kirche, ursprünglich wohl eine romanische Saalkirche, musste um 1588 erweitert und mit einer Empore sowie einem Turmanbau versehen werden. Mit Kirche und Schule bildete Döhlen das kulturelle Zentrum der Region; die wirtschaftliche und soziale Entwicklung vollzog sich auf der anderen Seite der Weißeritz. Hier erfolgte im 17. Jahrhundert der Ausbau von Kleinburgk, und Kleinnaundorf wurde vorübergehend von Döhlen aus kirchlich versorgt.

Während des Dreißigjährigen Krieges musste die Bevölkerung mehrfach Zuflucht in den schützenden Schluchten des Rabenauer Grundes suchen. Nach der Schlacht bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 wurden Dörfer im Nordwestteil unseres Gebietes, darunter Döhlen mit seinem Pfarrgut, von preußischen Truppen geplündert. Etwa 1 700 Menschen lebten um 1750 in der Region Freital. Von 1763 an wurde in einem Waldtal Oberdöhlen angelegt. Als Berg- und Hüttenarbeiterdorf in der Nähe des kürzlich gegründeten Eisenhammers entwickelte sich um 1800 Niederpesterwitz mit rund 20 Häusern. Und um 1821 siedelten sich aus Johanngeorgenstadt herbeigerufene Bergleute an und erbauten Unterweißig.

Unter der Bezeichnung Neucoschütz wurden Häuser, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts an Straßenzügen östlich von Potschappel errichtet worden waren, zusammengefasst. Unterhalb von Somsdorf kam es zur Errichtung des Freigutes Heilberg, der sogenannten Engländerei.

Landesausbau und Industrialisierung hatten eine spürbare Bevölkerungszunahme zur Folge, so dass Eingemeindungen erfolgten: 1900 von Schweinsdorf nach Deuben, 1913 von Eckersdorf nach Coßmannsdorf, 1915 von Niederhäslich nach Deuben und von Niederpesterwitz nach Potschappel. 1919 schlossen sich Unter- und Oberweißig zusammen, 1921 Kohlsdorf, Niederhermsdorf und Wurgwitz und 1933 Coßmannsdorf (mit Eckersdorf) und Hainsberg.

1752 begann mit der Stiftung einer Schule in Großburgk ein Prozess, der bis ins 20. Jahrhundert anhalten sollte: die Herausbildung übersichtlicher Schulbezirke und die Verbesserung der Lernangebote für eine stetig wachsende Zahl von Schülern. Zwischen 1867 und 1901 sind im heutigen Stadtgebiet drei neue Kirchen errichtet, zwei durch Neubauten ersetzt und mit Deuben, Potschappel und Hainsberg drei neue ev.-luth. Kirchgemeinden gebildet worden. Die römisch-katholische Kirche konnte am 18. August 1895 eine Kirche in Deuben einweihen.

Zwischen 1890 und 1910 war die Bevölkerung von reichlich 30 000 auf fast 48 000 Einwohner angestiegen, d. h. eine Steigerung um 56 % in 20 Jahren. Eine Vereinigung der größten Ortschaften des Ballungsraumes Plauenscher Grund zu einem größeren Gemeinwesen kristallisierte sich um 1900 als Erfordernis heraus!

(Quelle: www.freital.de / Ralf Thomas)

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